Startschuss: Auf gehts nach Bangkok

Nach einer hektischen letzten Woche in der Heimat sind wir am Sonntag endlich aufgebrochen, um die Welt zu umrunden. Auf den Spuren von Phileas Fogg segeln wir zwar nicht mit dem Heissluftballon um den Planeten – wesentlich schneller scheint man mit British Airways aber auch nicht zu reisen.

In Frankfurt schon zwei „eigentlich“ kassiert

Das erste Abenteuer hatten wir schon hinter uns, bevor wir den Kontinent verlassen hatten. Die Sicherheitskontrollen fuer Fluege nach Great Britain haben es inzwischen in sich. Zwei Sicherheitschecks, versiegelte Verpflegungsbeutel und mehr Menschen mit Pistolen als bei der Wiesbadener Polizei. Und mittendrin unser selbsternannter „Profi Traveller“ Danny Oooh aka Mr. Kiewitz. Schon vor dem Start hatte er vom Sicherheitspersonal zwei „eigentlich“ kassiert. „Eigentlich darf die Plastiktuete im Handgepaeck ja nur einen Liter Inhalt fassen – aber wir druecken mal ein Auge zu“. „Eigentlich darf man vor der letzten Sicherheitskontrolle Flaschen mit Fluessigkeit ja nicht oeffnen – aber wir druecken mal ein Auge zu“.

Smoking areas? There are none!

In London angekommen musste Danny B. das erste Opfer bringen. „Smoking is allowed only in the marked areas“. Auf die Frage, wo diese“marked areas“ seien, lacht das Sicherheitspersonal nur „There are none“. Die erste Zigarette im Raucherkaefig am Flughafen von Bangkok muss besser geschmeckt haben denn je. Es wird nicht die letzte Entbehrung gewesen sein, die Senor Baur auf dieser Reise erbringen muss.

2 Stunden Verspaetung, 1 Stunde Checkout

Ebenfalls noch zu erwaehnen: Gauchos Ausdauer beim Warten auf unsere Ankunft am Flughafen von Bangkok. (Er war separat mit Thai Air geflogn). Nicht nur, dass wir mit knapp zweistuendiger Verspaetung gelandet waren, der Checkout dauerte auch nochmal 1 Stunde. Die Nervositaet war dem sonst allzeit entspannten Weltenbuerger anzusehen. „Ich dachte schon, ihr kommt nicht mehr“.

Noch kurz etwas zum ersten Eindruck von Bangkok, bevor das Internetcafe schliesst: Die Stadt ist laut, dreckig, stinkt und liegt unter einem Nebel von Smog begraben – aber sie hat Flair!?

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Fünf Minuten für: Outdoor-Läden

Männerspielzeug. Ein Outdoor-Laden besteht im Wesentlichen aus Männerspielzeug. Zwar scheinen die Produkte in den Regalen von Globetrotter, Ergo, McTrek & Co. allesamt eine wichtige Funktion zu erfüllen, doch wenn wir ehrlich sind, ist der meiste Kram doch nur Männerspielzeug. Was den Kindern das Spielwarengeschäft, ist den Männern der Outdoor-Laden. Die Neugierde und Nervosität, wenn man das „Leatherman Multitool“ in die Hand nimmt und unbeholfen die einzelnen Werkzeuge ausklappt. Der Duft von Abenteuer und Gefahr, der das „Glock Militärmesser“ mit seiner Klinge aus zähem, brüniertem Stahl umweht. Die erdrückende Funktionalität der Notfall-Trillerpfeife mit integriertem Kompass. Wie soll man da seine Finger still halten?

„Man braucht einfach eine Machete in Thailand!“

Am vergangenen Freitag wurden mein Golf lehrender Weggefährte Danny Oh und ich outdoor-entjungfert. Mit aufgerissenen Augen und wallendem Blut wanderten wir durch die geräumigen Gänge der 1.400 Quadratmeter des Globetrotter im Frankfurter Ostend. Schon nach knapp 10 Minuten hatten wir Waren im Wert von knapp 1000 Euro in unsere Einkaufskörbe geladen. Man braucht einfach eine Machete in Thailand, was wenn man sich im Dschungel verläuft? Und die praktische Faltschere kann man nicht nur auf ein Packmaß von 60×40 Millimeter zusammenfalten, sie ist auch so scharf, dass man damit fast alles schneiden kann, „von der Angelsehne bis zum Pappkarton“, wie der Verkäufer versichert. Und was würde man ohne einen zusammenfaltbaren Kulturbeutel mit integriertem Plastikspiegel machen, in der Abenteurersprache auch „Waschsalon deluxe“ genannt?

„Über unsere Einkaufskörbe können echte Traveler nur lachen“

Die Stunden verfliegen und der Verkäufer hat uns zwischenzeitlich mit einem Lonely Planet Australien in der Leseecke geparkt. Dass wir keinen Kaffee trinken, hat er höflich ignoriert, wir sollen nicht müde sein, sondern hellwach und kauflustig. Uns gegenüber sitzen zwei englisch sprechende Traveler, echte Profi-Reisende, das sieht man an den sehnigen Unterarmen, der Lederhaut und den kurzen Haaren. Gerne würde ich sie nach ein paar Reisetipps fragen, doch mein Blick fällt auf unsere Einkaufskörbe und all die Produkte, über die diese Jungs nur lachen. Beim Anblick des schnell trocknenden Handtuchs schäme ich mich ein bisschen und beschließe, den Korb einfach stehen zu lassen, so zu tun als gehöre er mir nicht. Ich überlege, was „schnöder Mammon“ auf Englisch heißt, doch es fällt mir nicht ein. Also gestikuliere ich wild, um meine Geringschätzung für den amateurhaften Korb zum Ausdruck zu bringen. Die Traveler lächeln, nehmen es mir aber nicht ganz ab. Kiewitz schaut nur kurz verständnislos auf und vertieft sich dann wieder in die Lektüre.

„Tja, Männerspielzeug eben“

Am Ende schaffe ich es, den Globetrotter um lediglich 83 Euro erleichtert zu verlassen. Ein Mann braucht kein Spielzeug, ein Mann braucht nur seinen Mut und seinen Willen. Kiewitz ist etwa das Fünffache losgeworden. Während ich mich an meiner Bedürfnislosigkeit labe und als legitimer Nachfahre von Diogenes fühle, sehe ich Danny Oh auf dem Nebensitz grinsen. Er hat endlich verstanden, wie sein neues Klappmesser sich wieder einklappen lässt. Tja, Männerspielzeug eben.

In 180 Tagen um die Welt

Die Impfungen sind verabreicht, die Krankenversicherung ist abgeschlossen, die Wohnung gekündigt. Noch 10 Tage bis zum Abflug. Am 15.07. um 18:55 Uhr startet die große Reise. Thailand – China – Australien – Neuseeland – Chile – Peru – Argentinien. In 180 Tagen um die Welt.